Unser SWR

Sehr geehrter Herr Heim,

ich bin ein Fan von SWR1 und dem DLF und ziehe den größten Teil meiner Alltagsinformationen aus Ihren Programmen.

So bin ich auch seit vielen Jahren Hörer der Zusammenfassungen von SWR1-Leute, seit Neuestem im Podcast wunderbar zum Nachhören, ebenso mag ich „Erzähl mir was Neues“ auf langen Autofahrten.
Lange, gut recherchierte Beiträge mit viel Information, Sachverstand und Liebe zum Beruf, da macht das Zuhören einfach Spaß.

Heute möchte ich mich doch mal zum Interview mit Herrn Demmel äußern.

Ich informiere mich neben den Öffentlich Rechtlichen auch schon mal bei „rubikon“, „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ oder anderen nicht staatlich finanzierten Portalen.
Davon bekomme ich keine Depressionen und meine Frau muss mich da auch nicht ‚rausholen, wie das ihrem geschätzten Kollegen passiert ist.
Zum Nazi oder Rassisten bin ich auch noch nicht mutiert, zumindest hat mich noch niemand aus meiner näheren Umgebung dahingehend angesprochen.
Ich traue mir mit Lebenserfahrung und Nachdenken immer noch zu, Demagogen nicht auf den Leim zu gehen, 27 Jahre Schulung als DDR-Bürger tun da sicher ihr Übriges.

Bei Allem halte ich die Alternativlosigkeit, mit der in Sachen Gesundheit von Politik und Pharmaindustrie vorgegangen wird für fahrlässig, ja geradezu für ungesund.
Dabei ist die Berichterstattung zum Infektionsgeschehen und den Folgen einseitig. So mache ich mir zu vielen Aussagen eigene Gedanken, manchmal ist es verblüffend oder auch erhellend, was dabei herauskommt.
Z.B. habe ich, seit ich bei der täglichen Berichterstattung zur gesundheitlichen Lage nicht mehr so genau hinhöre, weniger Angst, als zu Anfang, als ich die Deutung der RKI-Botschaften durch Politik und Medien noch richtig ernst genommen habe.

Ich finde es ein wenig anmaßend, dass Herr Demmel die Deutungshoheit für die Alltagsvorgänge bei sich und seinen KollegInnen sieht.
Ich finde es auch nicht schön, das Kritiker der Maßnahmen der jetzigen Gesundheitspolitik von den meisten Journalisten in das antisemitische, nationalistische, rassistische Lager gesteckt werden, sodass ich mich plötzlich mit Nazis und der AfD in einer Reihe sehe.
Der alte Kempowski hat dieses Phänomen in seinem tollen Buch „Uns geht’s ja noch Gold“ genau so beschrieben und ich hab das in meiner Jugend in der DDR auch genau so erlebt. Da hieß das „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“.

Die blöden E-Mails und Kommentare von Menschen, die jegliches Maß in der Kommunikation verloren haben sind sehr schlimm. Es hat nicht nur Vorteile, wenn man sich beim Reden nicht mehr in’s Gesicht gucken muss und sich ausschließlich virtuell mit Seinesgleichen austauscht.

Ich möchte es mir aber verbitten mit einem verwirrten Mörder in eine Reihe gestellt zu werden.
Das kommt dem, worüber Sie sich berechtigter Weise ärgern, schon sehr nahe.

Also wünsche ich mir von Ihrer Art zu berichten wieder ein wenig mehr Differenzierung.
Wenn dem so ist müssen Sie sich vielleicht auch nicht mehr so viel Murks aus dem Internet aussetzen.
Forscher, Geldverdiener, Politiker und Berichterstatter kommen wieder zusammen und wir können große Herausforderungen tatsächlich gemeinsam angehen.
Alles andere ist nämlich Murks, wenn auch nicht so anstrengend.
Aber manchmal hilft Zurücklehnen und auf die Auffrischungsimpfung warten nicht so richtig.
Bei genauem Hinschauen erkennt man die Anzeichen dafür schon jetzt.

Mit freundlichen Grüßen – Ihr Hörer Jörg Warth aus Waiblingen