Grün-Schwarz 2

Das ist ja die Seite des Tai Chi in Waiblingen, also unpolitisch, Sport halt.

Die jüngsten Entwicklungen in der Politischen Landschaft dieses Landes und auf unserem Planeten lassen ein unpolitisches Leben, wenn es das je gab, überhaupt nicht mehr zu.
Mir geht es da ähnlich wie meinem Karlsruher Qi-Gong-Lehrer, der mit herzlich-denken.de eine Folge wirklich gut recherchierter und dabei noch unterhaltsamer Artikel veröffentlicht hat, die ich immer wieder gern lese.

Gerade wundere ich mich noch über den Kommentar der landespolitischen Redaktion im SWR1 am Nachmittag des 1.4.2021.
Der Landesvorstand der Grüne Partei ringt öffentlich um die Auswahl des richtigen Koalitionspartners.
Es ist doch eigentlich seit Jahren der gleiche Kommentar, wenn die Grüne Partei eine Richtungsentscheidung erarbeitet.
Der Kommentar wirft den Grünen vor, nicht geschlossen auftreten zu können. Der Ministerpräsident bekommt vorgeworfen, sich nicht durchsetzen zu können.
Zwei Sätze später wirft man ihm vor, seine Basis verloren zu haben.
Der Kommentar spricht von schlechten Signalen gegen die möglichen Koalitionspartner und natürlich in Richtung Berlin.
Eine etwas längere Diskussion über eine Entscheidung, die fünf Jahre tragen muss, hat wohl noch keinem geschadet, oder?
Kaum zwei Lieder später entscheidet sich der Landesvorstand, weiter mit der CDU zu regieren.
Einen Tag später begründet der gleiche Redakteur die Entscheidung mit dem Aufgeben der CDU-Spitzenkandidatin und bezeichnete sie als Störfaktor der Grün-Schwarzen Zusammenarbeit.
Ist das schon Nachtreten, ich denke schon.

Das ist kein gutes Signal in Richtung derjenigen, die die Grüne Partei aus Grüner Überzeugung gewählt haben. Der Ministerpräsident verlangt jetzt ein bisschen viel von seiner Stammwählerschaft.
Ich möchte ihm seine Grüne Überzeugung nicht absprechen, aber Bodenhaftung sieht tatsächlich anders aus.
Das war wohl mehr so „Basta“ nach Altbundeskanzler Schröder und der war zwei Jahre nach „Basta“ nur noch Unternehmer, ein Schelm, wer Absicht unterstellt.

Für mich war die Zusammenarbeit der Grünen mit der CDU in den vergangenen fünf Jahren ein einziges Gewurstel.
Grüne Impulse kamen allenfalls von den äußerst kompetenten aber schwer von Berlin bzw. München gebremsten Umwelt- und Verkehrsministerien.
Das wird jetzt mit der schönen Umschreibung „Sachpolitik“ fortgesetzt und wenn das nicht genügt, kann man ja immer mal wieder die Keule der „Systemrelevanz“ aus dem Besenschrank zaubern.
Daran ändert auch das Kuscheln mit „Fridays for Future“ nichts. Die wollen das auch gar nicht und werden sich am Ende auch ohne Euch durchsetzen.

Nun geifern die etablierten Politiker der ersten schwarz-grünen oder grün-schwarzen Bundesregierung entgegen. Vor lauter Machtstreben ist es auch egal ob das mit der Duldung oder unter Beteiligung von rechts außen funktioniert. Manch einer wünscht sich sicher, die Nazis noch eine Legislatur ignorieren zu können, aber das wird nichts.
Sie sind da, bleiben und werden weiter von den Doofen gewählt. Leider gibt es viele Dummköpfe, wie der ewig junge Schiller schon bemerkt hat.
Und wer im Malunterricht in der Schule schon mal grün und schwarz gemischt hat, weiß auch, was da für eine hässliche Farbe herauskommen kann.
Wenn die heutige Entscheidung der Baden-Württembergischen Grünen ein Signal sein sollte – bitte sehr.

Ich persönlich bin sehr froh, zum ersten Male nicht grün gewählt zu haben.
Der Ministerpräsident hat mir die Entscheidung aber auch leicht gemacht.
Allerspätestens mit seiner Ansage an den „lieben Markus“ hat er mir die letzten Zweifel genommen.

Lieber Grüner Teil der Landesregierung, erinnern Sie sich an die am Ende 100.000 „CDU-wählenden verwöhnten Hausfrauen“, die gegen den unsinnigen Tiefbahnhof in Stuttgart demonstriert und Ihnen nach Mappus‘ Abgang zum ersten Wahlsieg verholfen haben.
Und wie die DemonstrantInnen anfangs diffamiert wurden.

Heute sind es die Kritiker der Corona-Politik, die als Wirrköpfe, Rechtextreme und Spinner verunglimpft werden, statt das Gespräch zu suchen und eine wirklich breite Basis im Kampf gegen Infektionskrankheiten, gewissenlose Lobbyisten und haltlos gierige Arzneimittelhersteller zu finden.
Die Chance ist leider erst mal vertan und Sie geben schon wieder das falsche Signal in die Richtung Ihrer Wähler.
Es wird Zeit, die Demokratie einmal auf richtige basisdemokratische und achtsame Füße zu stellen.
Das wird dauern und holpern und wieder erinnere ich mich.
Dieses Mal an das Geschrei des Herrn Strauß beim ersten Bundespolitischen Erfolg der Grünen Partei Anfang der achtziger Jahre.

Jetzt, liebe Grüne Abgeordneten, stellen Sie das dritte Mal in Folge die Regierung.
Versuchen Sie es doch dieses mal mit Weisheit.
Hören Sie auf die Menschen, die sich um den Landtag herum bewegen. Versuchen Sie, sie einzubinden und verschanzen Sie sich endlich nicht mehr hinter Alternativlosigkeit, Systemrelevanz, Zeitdruck, den Sie sich am Ende selber machen oder Fallzahlen, deren Basis Sie inzwischen selber nicht mehr kennen.
Nach Zeit fragt in ein paar Jahren eh keiner mehr, von den Fallzahlen ganz zu schweigen.

Das ist unbequem, dauert lange führt aber letztendlich zum Erfolg.