Annual Instructor Retreat der Master Ding Academy 2017

Zum diesjährigen „Instructor Retreat“ vom 8. bis 15. April sind tatsächlich 127 Unterrichtende aus ganz Europa nach England in’s ländliche Preston gepilgert und haben die Ferienruhe des guten alten Colleges innerhalb von ein paar Anreiseminuten beendet.

Das Thema des diesjährigen Retreats war „Ting Jin – Listening Energy“.
Das klingt etwas abstrakt für jemanden, der Tai Chi nicht kennt, erschließt sich aber recht schnell ( wie alles ) beim Üben.
Das Motto zog sich durch die Woche, in der wir uns im Wesentlichen an Bewegungen aus dem ersten und zweiten Teil der TaiChi-Form, den einfachen Qi Gong-Positionen aus dem „Stehenden Qi Gong“ * und an zwei an und für sich einfachen Pushing-Hands Routinen bedient haben.
So gab es genug Zeit, die einfachen Empfindungen beim Üben in echte Erfahrungen umzubauen, die man beim Üben jederzeit wieder abrufen kann.

Zum Einstieg in die Woche wiederholten wir eine Partnerübung im Stehen, die auf dem einfachen horizontalen Druck z.B. am Unterarm des Übungspartners aufbaut.
Mit dem Erspüren des eigenen inneren Bewegungsablaufes als Reaktion auf den „Druck“ im Stehen konnten wir diese Erfahrung in das „Jai“ ** der TaiChi-Form mitnehmen und hier in einer weiteren Partnerübung manifestieren.
Die Aufrichtung des Körpers muss stimmen, die Intention der Übenden geht nach vorn und in den Raum, die Spiralbewegung aus den Wurzeln über den Rücken muss richtig sitzen usw. So wird das Loslassen als Reaktion auf einen Druck zu einer abrufbaren Erfahrung.

Später gibt es dann die Anwendung in den Routinen „Double- und Single-Hand Pushing Hands“ ***.
Hier kann man „Listening Energy“ in allen Phasen der Bewegung üben ( Peng, Lui, Jai, Aun *) und beschränkt sich in der Partnerübung nicht mehr auf den horizontalen Druck.

Im Laufe der Woche kamen weitere Übungen und Aspekte des „Listening Energy“ hinzu, viel Stoff, den wir selber oder zusammen üben und in unseren Unterricht einbauen können.
Klasse, wie Sifu John Ding und sein Sohn es immer wieder hinbekommen, die große Gruppe motiviert und am Probieren und Üben zu halten, immer wieder neue Facetten in ihre Übungen einbauten, so dass eigentlich nie vor 22:30h das Licht in der alten Turnhalle ausging.

Darüber hinaus gab es trotzdem noch reichlich Zeit, sich mit inzwischen alten Freunden auszutauschen und neue Tai-Chi-Freundschaften zu schließen und ich freue mich schon auf den nächsten Workshop mit Sifu John Ding im Mai in Karlsruhe.

 

 

*  Stehendes Qi Gong Bei der Master Ding Academy werden 8 Positionen im schulterbreiten Stand verwendet um Verwurzelung, Aufrichtung und Spiralbewegungen unabgelenkt zu üben. Dabei steht man mehrere Minuten in einer Postition und lässt seine sich nach Möglichkeit korrigieren. Gibt es keinen Übungspartner hilft auch ein großer Spiegel.
** Peng, Lui, Jai, An Die universellen Bewegungen in der Tai Chi Form – vereinfacht:
Peng:  Abwehr
Lui:      Ziehen
Jai:      Schieben und Pressen
Aun:    Schieben
*** Pushing Hands Routinen Routinen zur Anwendung der Prinzipien, z.B. Abwehr eines Schiebens ( Aun ) durch Drehung in der Hüfte und Ziehen ( Lui ).
Dabei muss auf die Einhaltung der inneren ( Loslassen, spiralförmige Bewegung ) und äußeren ( Aufrichtung, nicht festhalten ) Form geachtet werden und man kann z.B. mit Richtungswechseln Flexibiliät üben.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wunderbarer Artikel! Wir vibrieren alle schon in den Startlöchern für den Workshop am 13. und 14. Mai in Karlsruhe.

  2. Ja, es war ein geniales Retreat! Mit einem sehr aufmerksamen John Ding und seinem aufmunternden: „More practice. More Qigong.“ Danke für den schönen Artikel, es hat echt Spaß gemacht, gemeinsam mit dir dort zu üben! Und ich freu mich schon auf nächstes Wochenende mit John Ding in Karlsruhe.
    Bis dahin!
    Stefanie

  3. Wie immer ein wirklich guter Artikel.
    Du gibst deinen Lesern u. Leserinnen einen kleinen Einblick in das uns ewig begleitende Thema des Loslassens.
    Für mich persönlich ist es schon so etwas wie eine Lebensphilosophie geworden die mich jeden Tag aufs neue herausfordert und auch fördert.